{"id":3649,"date":"2008-06-15T12:32:59","date_gmt":"2008-06-15T10:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.frische-zitronen.de\/2008\/06\/15\/webdesign-im-spannungsfeld-produkt-kunde-webdesigner\/"},"modified":"2017-12-03T11:39:19","modified_gmt":"2017-12-03T09:39:19","slug":"webdesign-im-spannungsfeld-produkt-kunde-webdesigner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jukemedia.de\/blog\/2008\/06\/webdesign-im-spannungsfeld-produkt-kunde-webdesigner\/","title":{"rendered":"Webdesign im Spannungsfeld Produkt &#8211; Kunde &#8211; Webdesigner"},"content":{"rendered":"<p>Eine der schwierigsten Aufgaben im Webdesign finde ich die Abstimmung des Designs mit den jeweiligen W\u00fcnschen des Kunden. Die meisten meiner Kunden kenne ich nur telefonisch, mit den Mitteln der elektronischen Kommunikation ist es ja kein Problem sich zu verst\u00e4ndigen. Auftraggeber k\u00f6nnen ein bisschen was \u00fcber sich erz\u00e4hlen, \u00fcber das, was sie tun, warum sie eine Webseite haben m\u00f6chten, wen sie mit dem Internetauftritt ansprechen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Das allein ist aber nach meiner Einsch\u00e4tzung nur die H\u00e4lfte dessen, was man als Auftragnehmer wissen sollte. Die meisten Webseiten sind auch nach dem Geschmack des Kunden gef\u00e4rbt weil die meisten meiner Auftraggeber im mittelst\u00e4ndischen Bereich zu finden sind und sich in hohem Ma\u00dfe mit der Au\u00dfendarstellung identifizieren. Man muss also auch ein bisschen mit psychologischem Gesp\u00fcr an die Sache rangehen und versuchen herauszufinden wie sich ein Kunde selber sieht.<\/p>\n<h2>Der Kunde<\/h2>\n<p>Gerne w\u00fcrde da manchmal M\u00e4uschen spielen und mir die Wohnungen anschauen, wie sie eingerichtet sind, welche Kleidung sie tragen, welche Farben sie m\u00f6gen, welches Hobby sie haben, warum sie ihren Beruf lieben und alles sowas. Ich brauche diese Informationen um ein Bild in mir entstehen zu lassen, dem ich im Entwurf einer Webseite folgen kann.<\/p>\n<h2>Das Produkt und die Zielgruppe<\/h2>\n<p>Und dann haben wir noch das Produkt, die Leistung, die eine bestimmte Zielgruppe ansprechen soll. Bei ganz gro\u00dfen Firmen wird es vielleicht so sein, dass der Pers\u00f6nlichkeitsfaktor eine weniger gro\u00dfe Rolle spielt und die Gestaltung ausschlie\u00dflich auf die Kunden ausgerichtet ist. Ein in die Jahre gekommener Modemache kann eine junge, flippige Modelinie entwerfen, obwohl er sich selber lieber in gediegenen Anz\u00fcgen aus edelesten Materialien sieht. Bei den meisten Selbstst\u00e4ndigen kommt es aber nach meiner bisherigen Erfahrung nicht vor, dass der Kunde selbst nicht mehr erkennbar ist und hinter dem was f\u00fcr die Zielgruppe wichtig ist als ein unscheinbares Nichts verschwindet.<\/p>\n<h2>Der Webdesigner<\/h2>\n<p>Tja und dann bin ja auch noch ich selber da, durchaus mit eigenem Kopf und eigenen Vorstellungen, mit einem eigenen Leben und den in diesem Leben statt gefundenen Lebenserfahrungen.  Das was ich an Informationen \u00fcber meinen Kunden in mich aufnehme, durchl\u00e4uft mich wie ein Filter. W\u00fcrde man die gleichen Informationen 10 verschiedenen Webdesignern geben, so hat jeder einzelne seinen eigenen Filter. Herauskommen w\u00fcrden 10 verschiedene, durch die Pers\u00f6nlichkeit des Webdesigners gef\u00e4rbte Entw\u00fcrfe. Deswegen ist es mir immer wieder wichtig, dass ich durch meine Beitr\u00e4ge hier im Blog, durch die Gestaltung meiner eigenen Seiten deutliche Signale setze wer ich bin. Jemand, der an meinen Seiten nichts finden kann und nicht an der Art wie ich schreibe sollte besser ein H\u00e4uschen weitergehen.<\/p>\n<h2>Und nun zusammen:<\/h2>\n<p>Alle drei Dinge im Design einer Seite in ein harmonisches Gelichgweicht zu setzen, das ist das was ich als eine zentrale Aufgabe sehe. Die technische Umsetzung von wegen barrierearm, semantisch ist vergleichsweise ein Kinderspiel &#8211; zumindest bei einfachen Webseiten, bei denen ein Mensch, ein Kunde dahintersteht. Bei einem komplexen System wie ein shop liegen die Dinge anders.<\/p>\n<p>So what? Wie bekommt man nun alle drei Dinge unter einen Hut? Sofern allen Beteiligten klar ist, um  was es geht, funktioniert das und je mehr Gemeinsamkeiten Kunde und Webdesigner haben, desto einfacher und harmonischer wird das. Da geht der Entwurf einer Seite auch schonmal geschmeidig durch wie \u00c3\u2013l. Das ist dann Arbeit, bei der man seine Flow-Erlebnisse hat, die man als begl\u00fcckend und erf\u00fcllend findet.<\/p>\n<h2>Probleme<\/h2>\n<p>Schwieriger wird es wenn Ungleichgewichte auftauchen. Hei\u00dft: eine Webseite driftet zu sehr in das ab, was ein Auftraggeber nach seinem pers\u00f6nlichen Gusto sch\u00f6n findet. Er ist das Ma\u00df aller Dinge. Webdesigner, Produkt und Zielgruppe werden nicht so sehr beachtet und man selber verkommt zu einem Wunscherf\u00fcller, dem die Pixel die Maus diktiert werden.  Hier muss man wohl auch die F\u00e4higkeit haben auf schmerzfrei schalten zu k\u00f6nnen. Das sollte ich besser k\u00f6nnen, ich wei\u00df. Sollte ich wirklich? Ich wei\u00df nicht.<\/p>\n<p>Oder: auf Fragen werden widerspr\u00fcchliche Antworten gegeben und es entsteht in mir nur ein diffuses Bild, ich kann nicht erkennen wer das ist und was er m\u00f6chte. So etwas wird dann die sprichw\u00f6rtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Tausend Entw\u00fcrfe, keiner gef\u00e4llt und ich bekomm nicht klar warum. Krieg den sprichw\u00f6rtlichen Knopf nicht dran.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich muss ich mich selber auch mit einschlie\u00dfen. Die technische Beratung \u00fcber Sinn und Unsinn von Vortellungen, \u00fcber das was umsetzbar ist und was nicht, \u00fcber Abw\u00e4gungen von Aufwand und Nutzen ist eine Sache. Im Entwurf mich selber innerlich offen zu machen erscheint mir schwieriger. Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich es auch nicht umgekehrt: mienem Kunden vordiktieren, wie &#8222;seine&#8220; Seite auszusehen hat. Trotzdem komme ich in Situationen in denen ich sagen m\u00f6chte: Nein, bitte doch so etwas nicht und muss es doch tun.<\/p>\n<h2>L\u00f6sungen<\/h2>\n<p>Muss ich? Ich glaube, dass es vielen Webdesignern so geht, Architekten sicherlich nicht selten auch. Was macht man dann? Was tut man gegen seine eigenen Widerst\u00e4nde? Es ist mir fr\u00fcher sehr schwer gefallen damit umzugehen. Doch die Jahre und die Erfahrung machen es einem zunehmend leichter. Man muss in solchen F\u00e4llen einfach auch mal vom Sockel runterkommen, loslassen  und den Kunden machen lassen, sich selber zur\u00fccknehmen k\u00f6nnen und sich einfach mal \u00fcberraschen lassen.  Wie ein j\u00fcngst entstandenes Beispiel einer Webseite (welche ich sicherlich auch bald hier zeigen kann) zeigt. Hier ist bestimmt nicht alles nach meinem Kopf gegangen &#8211; in den Details h\u00e4tte ich bestimmt einiges anders gemacht, aber im Ergebnis ist es dennoch konsequent und auf eine sehr eigene Weise der Kundin gut geworden . Auch das gibt es, nicht immer zwar, aber oft genug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der schwierigsten Aufgaben im Webdesign finde ich die Abstimmung des Designs mit den jeweiligen W\u00fcnschen des Kunden. Die meisten meiner Kunden kenne ich nur telefonisch, mit den Mitteln der elektronischen Kommunikation ist es ja kein Problem sich zu verst\u00e4ndigen. 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