SEO vs. authentisches Marketing

Zur Zeit arbeite ich an einer Webseite, die in ein paar Tagen das Licht der Netzöffentlichkeit erblicken wird. Parallel dazu habe ich mich in den vergangenen Monate (noch) mehr dem Thema Suchmaschinenoptimierung gewidmet.

Allerdings komme ich dabei immer an einen Punkt, wo ich ein bisschen innerliche Abneigung verspüre. Das liegt aber nicht an der Technik als solche – das ist an sich schon recht spannend. Aber ich erlebe immer wieder wie bei der onpage-Optimierung schön gemachte Texte zu ungelenken Wortverrenkungen werden, wie Clowns, die mit zu großen Schuhen auf dem Seil tanzen möchten und bei den man daneben steht, immer mit der Befürchtung, dass sie gleich abstürzen.

Und dann Google: Es ist unglaublich wie viel Mitspracherecht eine Suchmaschine zu haben glaubt. Wer nach vorne will, muss leiern, blubbern, immer das gleiche salbadern – wegen der Keyworddensity. Fand ich doch neulich mal einen so bezeichnenden Ausspruch: Content ist Heißluft aus dem Unterhaltunsgebläse. Wie passend. Und dann der ganze Krampf mit den Backlinks und den an vielen Orten zu beobachtendem Getrickse und die mails, ob ich nicht einen Link tauschen möchte. Und das alles wegen den top Ten. Um mal einen Kraftausdruck zu benutzen: Mir rollen sich da manchmal doch die Fußnägel hoch.

Neulich war ich in Sache SEO unterwegs und fragte im Auftrag von Kunden bei einem Webverzeichnis nach, was denn ein Eintrag kosten würde. Ich wurde ca. 45 Minuten beraten. Vielleicht sollte ich besser sagen: von verkaufspsychologisch geschultem Personal zugedröhnt. Ich glaube das zieht wirklich nicht mehr und klingt einfach nicht authentisch. Ich frage mich ob die eigentlich wirklich glauben, dass man das nicht merkt. Nääh ne?

Wie schön und passend da doch ein Artikel von Hannes Treichl:
http://www.andersdenken.at/tourismusblogs-hotelblogs-schlechte-beispiele
(via twitter twitter.com/Thoxan)

Aufhören zu bloggen?
Nein, ich nicht. Aber wer nicht von Herzen gerne schreibt, sondern nur zur Gewinnmaximimierung immer wieder die gleichen Beschwörungsformeln in den RSS-Äther verbläst, der vielleicht schon. Der ganze SEO-Kram kann eine Seite nach vorne bringen, aber entscheident ist doch nicht unter welchen Plätzen und Suchworten ich gefunden werde und boah-ey wie viel Traffic, wie viel Follower, wie viel Feedabonnenten oder wie viel Kontakte ich habe, sondern was das daraus wird. Es ist doch auch irgendwo die Qualität, die zählt und letztendlich ob ich mit meinem Angebot, mit meiner Person, mit meiner Leidenschaft überzeugen kann.

Der Artikel von Hannes Treichl ist interessant zu lesen und nachvollziehbar. Und schön auch, dass es Hoffnung gibt auf ein wirklich authentisches Marketing. In diesem Zusammenhang möchte ich noch hinzufügen, dass ich ja glaube, dass die Zeiten herkömmlicher SEO ohnehin dem Ende zu gehen oder sich zumindest die Technik ändern wird. Google ist ja bemüht beständig von immer mehr Menschen immer mehr Daten über deren Nutzerverhalten zu sammeln und über die Profile der Suchenden jedem genau das vor die Nase zu setzen, von dem sie – als Datenkrake Suchmaschine – glaubt, dass es das ist, was den jeweiligen User am meisten interessiert. Es bleibt halt nur abzuwarten, ob und wenn ja, wie sich das Ganze realisieren lässt, wenn jetzt schon die Stimmen der Analytics Gegner immer lauter werden. Und was am Ende dabei herauskommt und überhaupt nicht irgendwann einmal die Stimmung kippt und man – „bingelingding“ – eh woanders sucht.

Kommentare (7)

  1. Hallo Jutta,

    ein schöner und für mich sehr gut nachvollziehbarer Artikel. Werbung – gerade im I-Net – verkommt mehr und mehr zum (entschuldige) Schwanzvergleich und vernachlässigt oftmals zweierlei: Die eigentliche Botschaft und die Ansprüche potentieller Leser / Kunden oder wie immer Du sie nennen möchtest.

    LG
    Axel

  2. Ich bin froh, dass es Leute gibt, die meine Ansicht teilen. Danke für eure Beiträge – dachte schon, dass ich in der Luft zerrissen werde ;-). Was so’n richtiger hardcore-SEO ist, wird das, was ich geschrieben habe, nicht unbedingt so gerne mögen.

  3. Hi Jutta,

    das ist sicher richtig. Aber wenn ein richtiger Hardcore-SEO sich selber fragen würde, ob wirkliche Leser nicht allein aufgrund guten Inhalts kommen und SEO auch unnötig wäre, wenn es kein SEO gäbe, dann würde das große Stottern beginnen. Denn letztendlich würde ohne Optimierung der Content für sich sprechen. Oder wie habe ich Deinen Blog entdeckt?:)

  4. Danke für die Blumen :-) – Ich meine, dass das eigentliche Problem nicht beim SEO an sich, sondern bei der Suchmaschine liegt bzw. – wenn man’s genau nimmt – in der beschränkten Anzeigefläche eines Monitors. Die Ergebnisliste mit genau 10 Einträgen macht die „ersten Zehn“ und der Satz, dass man vorne mit dabei muss macht dann den Rest. Es ist sicherlich nicht verkehrt klassische SEO auch zu berücksichtigen, aber ich würde mich nicht allein darauf verlassen. Und schon gar nicht so weit gehen, dass Inhalte auf Biegen und Brechen auf Suchmaschine getextet werden (müssen).

    Das ist keine Rechenmaschine, mit der man nach Formeln und unter Anwendung von Geheimtaktiken die anderen in den Windschatten stellt. Wer sich nur darauf verlässt generiert Traffic und kann seine Webseitenstatistik bewundern, ob daraus jedoch auch genau so viele trag- und ausbaufähige Kundenkontakte werden … ja, ja aber das ist ja dann nicht mehr Sache von SEO.

  5. Hallo Jutta,

    du magst da sicherlich recht haben, aber was nützt der schönste Inhalt, die schönste Website, die schöne Philosphie, wenn sie einfach nicht gefunden wird?

    So traurig es klingen mag, aber Firmen sind im Internet auf die Zugriffe von Google angewiesen.

    Gruß Markus

  6. Hallo Markus,

    ja, ja — das ist dann der Punkt wo sich die Katze in den Schwanz beißt und so ganz Unrecht hast du ja nicht. Vielfach wird aber beim Marketing vergessen, dass das eben nicht nur ausschließlich über Internet läuft und auch nicht laufen kann. Das ist immer eine ganzheitliche Sache, bei der man auch mal dran denken muss normale Anzeigen zu schalten, Landingpages zu machen oder auf einer Webseite was hergibt, was von Interesse ist. First give, than take.

    Oder wenn einer halt Charisma hat und sich gerne unterhält, dann soll er Kontakte knüpfen. Es kann nicht immer alles nur darauf hinauslaufen auf Gedeih und Verderb einen Platz an der Sonne haben zu wollen und zu meinen, dass es der SEO schon richten wird. SEO ist nicht nur Keywordakrobatik, Statistiken beobachten und dröge onpage-Text-VergewaltigungsOptimierung.

    Und im Ergebnis nutzt so machem die Pole-Position ja auch recht wenig, wenn da einsam rumsteht und singt: „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interssiert sich für mich …“ (Das ist nur ein Zitat aus einem Lied;-). Ich bin nicht gegen SEO, aber es macht imho nur als Unterstützung Sinn, aber nicht wenn es so extrem wird, dass der Inhalt einer Seite sich dem Niveau einer Suma anpassen muss.

    Wer vorne steht, sollte da sein, weil es ein Verdienst seiner Leistungen ist und nicht weil die Seite super optimiert wurde.

    Oda?? :-)

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